{"id":8988,"date":"2020-12-02T09:00:00","date_gmt":"2020-12-02T08:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/archiv-heilpaedagogik.de\/?p=8988"},"modified":"2020-12-02T10:44:18","modified_gmt":"2020-12-02T09:44:18","slug":"prof-dr-ferdinand-klein-ueber-humor-und-heitere-gelassenheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv-heilpaedagogik.de\/pl\/prof-dr-ferdinand-klein-ueber-humor-und-heitere-gelassenheit\/","title":{"rendered":"Prof. Dr. Ferdinand Klein \u00fcber Humor und heitere Gelassenheit"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Wie Erzieher in Schule und Elternhaus in schwierigen Zeiten dem Kind begegnen k\u00f6nnen<\/strong><br>Geboten ist eine Erziehung mit Humor und heiterer Gelassenheit<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img data-original=\"https:\/\/archiv-heilpaedagogik.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/gesellschaftsbilder_familie_hatef_rossa_11_large-1024x683.jpg\" alt=\"Andi Weiland | Gesellschaftsbilder.de\" class=\"lazyload wp-image-8998\"\/><figcaption>Fotograf: Andi Weiland | Gesellschaftsbilder.de<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Was grunds\u00e4tzlich zu beachten ist<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bei der Erziehung der Kinder aller Altersstufen wurde mir ein Satz des englischen Arztes und Sozialpsychiaters Ronald D. Laing bedeutsam. F\u00fcr Laing ist jede Theorie, die nicht vom Menschen ausgeht, \u201eL\u00fcge und Betrug am Menschen\u201c. Seinem Standpunkt folge ich.<br><br>Mein Denken geht vom Kind aus, von seinem Bed\u00fcrfnis, K\u00f6nnen und Wollen. Gerade wenn das Lernen im Elternhaus und in der Schule durch \u00e4u\u00dfere Umst\u00e4nde eingeschr\u00e4nkt ist und nicht wie gewohnt erfolgt, ist das Bem\u00fchen der Erwachsenen um einen dreifachen Kontakt geboten: Um Kontakt mit sich selbst, mit dem Lernenden und mit dem Inhalt. Wie das gemeint ist, das zeigt die Abbildung, die auf den amerikanischen Psychotherapeuten Carl Rogers zur\u00fcckgeht.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img data-original=\"https:\/\/archiv-heilpaedagogik.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/grafik-1-1024x474.png\" alt=\"\" class=\"lazyload wp-image-8994\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Rogers erkannte drei Haltungs-Momente, die f\u00fcr gute Beziehungen charakteristisch sind und die eigenen Ressourcen sowie die Ressourcen des anderen Menschen f\u00f6rdern:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Achtung des Anderen,<\/li><li>Einf\u00fchlung in die seelische Welt des Anderen und<\/li><li>Aufrichtigkeit, Kl\u00e4rung eigener Gedanken und Gef\u00fchle und Selbst\u00f6ffnung gegen\u00fcber dem Anderen.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><em>Die drei Haltungs-Momente sind grundlegend f\u00fcr jede Situation, in der Menschen einander begegnen und sich miteinander austauschen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>F\u00fcr eine Erziehung mit Humor und heiterer Gelassenheit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Humorvoll und heiter zu handeln ist ein Grundsatz f\u00fcr das Erziehen des Kindes in der Schule und im Elternhaus, das ihm seine pers\u00f6nliche Entwicklung zu erm\u00f6glichen hat. Dieser Grundsatz verhindert das Abrichten des Kindes f\u00fcr fremde Zwecke, die von au\u00dfen gesetzt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Was Humor nun wirklich ist, kann nicht klar definiert werden. Er l\u00e4sst sich aber beschreiben und an Beispielen erl\u00e4utern: Humor kann als Gabe eines Menschen verstanden werden, der die Unzul\u00e4nglichkeiten der Welt und der Menschen, den Schwierigkeiten und Missgeschicken des Alltags mit heiterer Gelassenheit begegnet. Dieser Mensch hat einen unverw\u00fcstlichen, ja einen goldenen Humor. Er ist heiter und gl\u00fccklich. Seine innere Heiterkeit ist sein eigentliches Gl\u00fcck. Dieses Gl\u00fcck ist ein Geschenk des Friedens, den die Welt nicht geben kann.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Unzul\u00e4nglichkeiten mit heiterer Gelassenheit begegnen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der gute Erzieher im Elternhaus und in der Schule nimmt die gegebene schwierige Situation wahr und sp\u00fcrt den in ihr verborgenen Sinn auf. Sein Handeln wird nicht von den angetroffenen Bedingungen bestimmt, sondern von Entscheidungen, die er trifft. Wenn er sich von der schwierigen Situation distanziert und sich in innerer Schau dem Erleben des Kindes zuwendet, kann er aus dem St\u00f6renden das Positive herausfiltern und zum Guten wandeln. Mit dieser guten Haltung hat er gar keine Chance mehr sich \u00fcber Schwierigkeiten zu \u00e4rgern.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Beispiel<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mit Kindern des Saarl\u00e4ndischen Pflegeheimes \u201eSeid Getrost\u201c, die wegen ihrer schweren Behinderung als bildungsunf\u00e4hig galten, traurig herumsa\u00dfen, sehr wenig oder nicht sprachen und kaum kommunizierten, mit stereotypen und monotonen Bewegungen sich \u00e4u\u00dferten, mit Medikamenten ruhig gehalten und wegen ihrer Aggressionen oft fixiert wurden, starteten wir einen Bildungsversuch. Schon nach einem Jahr wurde aus dem Versuch eine anerkannte Schule. \u00dcber die Einweihungsfeier der Schule schrieb der Erzieher Manfred Sandner: \u201eWir musizieren in der Gruppe. Klaus schl\u00e4gt den Reihenrhythmus auf den Klangst\u00e4ben, Diana, Karin und Carmen spielen die hohen T\u00f6ne auf dem Metallophon und Glockenspiel, Sascha bedient Pauke und Becken und ich spiele die Melodie auf dem Glockenspiel. Mit sechs Personen \u201efahren\u201c wir einen \u201eTop-Sound\u201c. Kinder, die etwas sprechen k\u00f6nnen und Lust haben, singen das Lied mit. Manche T\u00f6ne und W\u00f6rter sind zwar nicht immer richtig, aber wer ist schon unfehlbar? Hauptsache, wir sind zusammen und haben Freude beim Spielen und Singen. Und den G\u00e4sten hat es auch gefallen, sie lachten und freuten sich\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Ihr Lachen erinnert mich an Charlie Chaplin, der einmal sagte: \u201eAuf dem Grund des Lachens schwimmt eine Tr\u00e4ne\u201c. Humor ist offenbar eine ernste Angelegenheit und deshalb frage ich: Gibt es einen besseren Unterricht in Schule und Universit\u00e4t, als etwas selbst zu tun, selbst zu forschen und sich bei dieser Arbeit zu freuen?<\/p>\n\n\n\n<p>\u201e<strong>Freude erleben\u201c ist der urspr\u00fcngliche Sinn aller Bildung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In meiner langen Praxis erkannte ich, dass es f\u00fcr Kinder kein besseres Lernziel gibt als \u201eFreude erleben\u201c. Freude am Erleben, Tun und Zusammensein war der urspr\u00fcngliche Sinn der Bildung. Und heute sprechen Psychiater vom \u201eLernziel: Neurose\u201c vor allem auch deshalb, weil viele Erzieher verlernt haben, das lebensbejahende und fr\u00f6hliche Lernen des Kindes zu achten und zu f\u00f6rdern. Ihre \u00c4ngste st\u00f6ren die Entwicklung des Erlebens der Freude des Kindes. Deshalb haben die Erzieher darauf zu achten, was der Kabarettist Joachim Ringelnatz sagte: \u201eHumor ist der Knopf, der verhindert, dass uns der Kragen platzt\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In Elternh\u00e4usern und Schulen, in denen die Kinder mit Lust und Freude lernen, f\u00fchlt sich jedes Kind angenommen und geborgen. Es erlebt die aufschlie\u00dfende und ordnende Kraft des Vertrauens in die eigene Person und in das eigene Tun, in die Person des Anderen und in dessen Tun. Das Kind lernt mit Freude \u2013 und trotzt den Widerst\u00e4nden.<\/p>\n\n\n\n<p>Prof. Dr. Ferdinand Klein<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><strong>Wie Erzieher in Schule und Elternhaus in schwierigen Zeiten dem Kind begegnen k\u00f6nnen<\/strong><\/p>\n<p>Geboten ist eine Erziehung mit Humor und heiterer Gelassenheit<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":8998,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[31,1],"tags":[],"class_list":["post-8988","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aktuell","category-allgemein"],"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv-heilpaedagogik.de\/pl\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8988","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv-heilpaedagogik.de\/pl\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv-heilpaedagogik.de\/pl\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv-heilpaedagogik.de\/pl\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv-heilpaedagogik.de\/pl\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8988"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/archiv-heilpaedagogik.de\/pl\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8988\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9010,"href":"https:\/\/archiv-heilpaedagogik.de\/pl\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8988\/revisions\/9010"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv-heilpaedagogik.de\/pl\/wp-json\/wp\/v2\/media\/8998"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv-heilpaedagogik.de\/pl\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8988"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv-heilpaedagogik.de\/pl\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8988"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv-heilpaedagogik.de\/pl\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8988"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}