Helmut Heiserer

In Trauer und Dankbarkeit nehmen wir Abschied vom Pfarrer und Dipl. Heilpädagogen Helmut Heiserer, unserem Freund und Kollegen, der am 25. Juni dieses Jahres im Alter von 77 Jahren in seiner Wohnung in Regensburg gestorben ist. Wie uns berichtet wurde, ist er in seinem Sessel friedlich eingeschlafen.

Seiner in Straubing wohnenden Schwester, Frau lIse Dettelbeck, die ihn, der bis zuletzt trotz zunehmender körperlicher Einschränkungen geistig rege und immer und in vielerlei Hinsicht sozial aktiv war, in mehrfacher Hinsicht unterstützte und liebevoll zur Seite stand, versichern wir unserer Anteilnahme und sprechen unser herzliches Beileid aus. Selbiges gilt auch für seine weiteren Angehörigen, von denen er oft und gerne liebevoll erzählte.
In Straubing wurde Helmut Heiserer am 14. September 1942 geboren. Die Verbindung zu seinem Geburtsort, in dem er aufwuchs, als Priester
geweiht wurde und tätig war, hat er bis zuletzt aufrechterhalten. Hier in der Requiem Kirche St. Josef fand am 30. Juni die katholische Seelenmesse statt. Beerdigt wurde der Verstorbene auf dem dortigen Friedhof St. Michael.

Helmut Heiserer hat sich während seines Lebens in beeindruckender, liebevoller und vorbildlicher Weise weit über das Seelsorgerische hinaus, vor allem im Bereich der Kinder-, Jugend- sowie Behindertenhilfe verdient gemacht. Damit trug auch er der Tatsache Rechnung, dass in unserem Lande, noch in den sechziger und sogar siebziger Jahren der Nachkriegszeit, diesbezügliche besondere Probleme herrschten.

Nach einem Studium der Heilpädagogik in Zürich / Schweiz, noch als Schüler von Paul Moor, Fritz Schneeberger und anderen sehr bedeutsamen wissenschaftlichen Persönlichkeiten, wurde er Erziehungsleiter des Kinderzentrums St. Vincent in Regensburg und dort im Jahre 1972 zum Direktor bestellt.
Hier und anderen Ortes galt sein unermüdlicher Einsatz der Verbesserung der Betreuung hilfebedürftiger Kinder und Jugendlicher sowie psychisch kranker und behinderter Menschen. Gerne erinnern wir uns, wie er mit ihm anvertrauten Kindern lebte und sich stets sorgenvoll um sie kümmerte. Das Heim mit ihnen war über all die Jahre auch sein Zuhause.

Besondere Anerkennung erfuhr Helmut Heiserer am 26. Februar des Jahres 2003, als er im ´Großen Sitzungsaal der Regierung der Oberpfalz` in Regensburg mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet wurde. Einer Einladung folgend, war ich, der Unterzeichner dieses Nachrufs in meiner Funktion als langjähriger Geschäftsführer des Berufsverbandes der Heilpädagogen (BHP) e. V. und Freund bei dieser Veranstaltung und der anschließenden Feier zugegen. Ich erinnere mich gerne.

Genannt wurden im Besonderen die Leistungen unseres lieben Kollegen als `Leitender Direktor` des Kinderzentrums St. Vincent in Regensburg, die er mit großem persönlichen Einsatz und Zielstrebigkeit zu einem modernen Jugendhilfezentrum mit breiten Angeboten entwickelte, dazu sein unermüdliches Streben zur Verbesserung der Betreuung und Behandlung hilfebedürftiger Jugendlicher und psychisch Kranker sowie sein Wirken in vielen weiteren Ehrenämtern. Hierzu gehörten sein Engagement zugunsten der Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG), Leistungen als Mitglied des Vorstandes Katholischer Einrichtungen der Heim- und Heilpädagogik in Bayern, seine intensive Mitarbeit im 1990 gegründeten Verein Rumänienhilfe Mintraching e.V. und – nicht zuletzt – sein Einsatz im Berufs- und Fachverband Heilpädagogik (BHP) e.V.
Diesbezüglich sei daran erinnert, dass dessen Vorgeschichte auf die Initiative von Absolventen/innen Heilpädagogischer Ausbildungsstätten in der Bundesrepublik Deutschland und des ‚Heilpädagogischen Seminars in Zürich, Schweiz zurückgeht, die im Mai 1967 den „Berufsverband außerschulischer Heilpädagogik in Deutschland (BHD)“ gründeten.
Diesem Verband im Jahre 1971 beigetreten, wurde Helmut Heiserer bereits zwei Jahre später- im November 1973 – während der Mitgliederversammlung unseres Verbandes in Berlin am Rande der alljährlichen Bundesfachtagung des Vereins in den Vorstand berufen. Während dieser Zeit machte er sich u.a. als dessen Vertreter besonders damit verdient, dass er die Interessen der Heilpädagogen/innen durch intensive Mitarbeit in der Arbeitsgemeinschaft für Erziehungshilfe (AFET)
e.V. gekonnt vertrat und die dann erarbeiteten und veröffentlichten sozialen Vorschläge bzw. Forderungen mitgestaltete.

Nachdem es am 1. November 1978 zu einem Zusammenschluss des Berufsverbandes der Heilpädagogen (BHD) e.V. mit dem Berufsverband der Sozialarbeiter und Sozialpädagogen BSS und anderen Verbänden aus diesem Bereich zum ´Berufsverband der Sozialarbeiter, Sozialpädagogen und Heilpädagogen´ gekommen war, agierte der bisherige Verband der Heilpädagogen/innen als ´Bundesfachgruppe im BSH´ weiter. Die Geschäftsstelle wurde von Reinfeld SH nach Büdelsdorf SH verlegt. Helmut wurde Vorsitzender, ich als langjähriges Vorstandsmitglied ehrenamtlicher Geschäftsführer.
Sieben Jahre später, als es dann zu einer Trennung vom BSH und zur Neugründung des Berufsverbandes der Heilpädagogen, (BHP) e.V. im November 1985 kam, waren sämtliche Vorstandsmitglieder wieder dabei. Helmut Heiserer, für ein Jahr wieder Vorsitzender, gelang es in besonderem Maße, die Ursachen und Probleme, die sich für die Heilpädagogen/innen gezeigt hatten, nach Außen sachlich sowie differenziert darzustellen und verstehbar zu machen. In hervorragendem Einvernehmen zwischen ihm und den erfahrenen Kolleginnen und Kollegen konnte die Arbeit in mehrfacher Hinsicht sehr erfolgreich fortgesetzt werden.
Wie bereits in 1977, widmete sich unser Freund und Kollege vor allem und erneut der Rolle des Schriftleiters
unserer Verbandszeitschrift.
Besondere Anliegen waren ihm Themen, in denen es um die Sicherung der Eigenständigkeit des Berufsbildes der Heilpädagogen/innen ging, ihre tarifrechtliche Vertretung sowie Fortbildungsangebote und die Veröffentlichung von Artikeln von Verbandsmitgliedern mit Inhalten zu Fragen der heilpädagogischen Theorie.
Im November 1998, am Rande der 21. Fachtagung unserer Verbandes in Bad Lauterberg im Harz durfte ich unseren Freund und Kollegen vor einem sehr großen Kreis von Tagungsgästen, Mitgliedern des Vereins und dessen Vorstandskollegen/innen verabschieden. Es war eine Freude zu erleben, wie viel Anerkennung und Dankbarkeit ihm zuteil wurde.
Dem Berufsverband
blieb Helmut Heiserer bis zu seinem Tode verbunden, beachtete dessen weitere Entwicklung, nahm weiterhin an verschiedensten Veranstaltungen teil und äußerte sich auch gerne – anregend oder auch kritisch – verbal oder mit schriftlichen Beiträgen.
Eine besondere Freude machte ihm noch die Schaffung unseres „Internationalen Archivs für Heilpädagogik e.V. – Emil E. Kobi- Institut“ in Müncheberg OT Trebnitz durch einen Förderverein. Er wurde Mitglied, unterstützte die Arbeit, nahm an etlichen Veranstaltungen teil und nutzte dabei die Begegnung mit ihm lieb gewordenen Kollegen/innen und Freunden/innen.

Helmut Heiserer hat sein Leben als Geistlicher und Heilpädagoge in nicht zu überbietender einfühlsamer Weise seinen Mitmenschen, vor allem Kindern und Jugendlichen, die Hilfe bedurften, behindert oder psychisch krank waren, gewidmet.
Er wusste, worauf es ankam und was die drei Grundregeln seines Lehrers Paul Moor meinen, die da lauten: „Erst verstehen und dann erziehen“ , „Nicht gegen den Fehler sondern für das Fehlende“ und „Nicht nur der Mensch sondern auch seine Umgebung ist zu erziehen“.
Und er war ein sehr feinfühliger, besonders liebe- und humorvoller, dazu gewissenhafter und zuverlässiger Mensch.
Ihn zu erleben, mit ihm zusammen zu arbeiten oder freundschaftliche Beziehungen zu pflegen, war beeindruckend, hilfreich und angenehm.

Ihm gebührt große Anerkennung und Dankbarkeit.

Wir werden unseren Helmut sehr vermissen.

 

StDir. Hans-Peter Feldhusen

Dipl. Sozialpäd., Dipl. Heilpäd.

Büdelsdorf