{"id":9968,"date":"2024-03-24T11:12:28","date_gmt":"2024-03-24T10:12:28","guid":{"rendered":"https:\/\/archiv-heilpaedagogik.de\/?p=9968"},"modified":"2025-02-15T09:34:25","modified_gmt":"2025-02-15T08:34:25","slug":"als-heilpaedagoge-im-ost-west-dialog","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv-heilpaedagogik.de\/en\/als-heilpaedagoge-im-ost-west-dialog\/","title":{"rendered":"Als Heilp\u00e4dagoge im Ost-West-Dialog"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Pers\u00f6nliche und berufliche Erfahrungen eines Karpatendeutschen<a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\"><strong>[1]<\/strong><\/a><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Als Heilp\u00e4dagoge, der am Ost-West-Dialog aktiv beteiligt ist, lege ich einen reflexiven Bericht vor. Ausgehend von pers\u00f6nlichen Erfahrungen werden vergleichende und aktuelle Forschungs- und Praxisfragen thematisiert.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Im Strom der Zeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Als 1944 meine Eltern und ich als 10-j\u00e4hriges Kind aus meinem geliebten Dorf Schwedler (Slowakei) vertrieben wurden, waren wir heimatlos \u2026. ein Jahr Flucht folgte. Wir konnten unser Leben noch retten. Mein Vater starb an den Folgen des 1. Weltkrieges. Meine Mutter und ich waren sehr arm. Ich arbeitete in den Ferien.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <br>Mit 18 Jahren f\u00fchrte mich der Weg in die Heil- und Pflegeanstalt Bruckberg bei Ansbach. Dort betreute ich in den Sommerferien eine heterogene Gruppe mit 18 schwer- mehrfachbehinderten Erwachsenen, die zum Teil erheblich traumatisiert und psychisch beeintr\u00e4chtigt waren. Mit ihnen lebte ich einen Monat lang Tag und Nacht zusammen. &nbsp;Bald begegnete ich dem feinf\u00fchlen Arzt und P\u00e4dagogen Janusz Korczak, den ich in meiner beruflichen T\u00e4tigkeit als Symbol der Menschlichkeit verstehe.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<br>Im Erinnerungsbuch an Janusz Korczaks 80. Todestag stellte ich heraus, dass Erziehungswissenschaftler bescheidener werden sollten (Klein 2022, 10). Doch wir beobachten in Fachb\u00fcchern das Gegenteil, n\u00e4mlich einen Expertenstil, der mit gro\u00dfen und eindrucksvollen Worten Sicherheit vermitteln will. Dieser inhaltsleere Stil der verwissenschaftlichen P\u00e4dagogik zerst\u00f6rt aber den gesunden Menschenverstand. Darauf weist uns der Erkenntnistheoretiker Karl Popper hin: \u201ePraxis und Wissenschaft sind seit eh und j\u00e4h darum bem\u00fcht die Wahrheit zu suchen und nicht die Sicherheitssuche\u201c (Popper 1994, 113). Um diese Wahrheitssuche ging es Janusz Korczak. Seine Handlungsethik verstehe ich als Kulturimpuls.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zum Selbstverst\u00e4ndnis der Heilp\u00e4dagogik im europ\u00e4ischen Bildungsraum<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In seinen moralischen Schriften spricht der Humanist Umberto Eco davon, dass er durch die Kraft des Wortes \u201cFreiheit\u201c neu geboren wurde. \u201eWir m\u00fcssen wachsam bleiben, damit der Sinn dieser Worte nicht wieder in Vergessenheit ger\u00e4t. Der Ur-Faschismus ist immer noch um uns, manchmal in gutb\u00fcrgerlich-ziviler Kleidung [\u2026] Das Leben ist nicht so einfach. Der Ur-Faschismus kann in den unschuldigsten Gew\u00e4ndern daherkommen. Es ist unsere Pflicht, ihn zu entlarven und mit dem Finger auf jede seiner neuen Formen zu zeigen \u2013 jeden Tag, \u00fcberall in der Welt. [\u2026.] Freiheit und Befreiung sind eine niemals endende Aufgabe. Unser Motto muss hei\u00dfen: \u2018Nicht vergessen!\u2018\u201c (Eco 2000, 67).<br>Bei diesem Prozess steht die Heilp\u00e4dagogik an vorderster Stelle. Sie kann den Ur-Faschismus durch ihre sinnzentrierte Praxis entlarven, die sich durch eine \u201egemeinsame Daseinsgestaltung als gemeinsamer Gestaltungsprozess vollzieht\u201c (Kobi 2004, 74). Das zeigen auch die Anf\u00e4nge der Heilp\u00e4dagogik, die mein Denken und Handeln begleiten und f\u00fcr die Erzieherpers\u00f6nlichkeit ein ethisches Fundament sein k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>&nbsp;Dialog der Kulturen pflegen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDer akademische Austausch \u00fcber L\u00e4ndergrenzen hinweg und der Dialog der Kulturen sind abstrakte Begriffe solange sie nicht durch Menschen Gestalt annehmen, die in andere L\u00e4nder gehen, um dort zu arbeiten, zu studieren und zu forschen\u201c. So hei\u00dft es in einem Brief, den der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) nach den Terroranschl\u00e4gen in New York am 11. September 2001 an alle Stipendiatinnen und Stipendiaten geschrieben hatte. Dieser Satz benannte zugleich mein Motiv, warum ich mich nach der Emeritierung (1997) vor allem in meinem Geburtsland Slowakei und in Ungarn bis 2015 engagiert hatte. Mit dem DAAD und der Hochschulrektorenkonferenz hoffe ich auf eine \u201ebessere, friedvollere Zukunft in allen Teilen der Welt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img data-original=\"https:\/\/archiv-heilpaedagogik.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Ferdinand-Klein-in-Budapest-1024x683.jpg\" alt=\"Ferdinand Klein sitzt mit mehreren Personen in einem beleuchteten Raum. Sie sprechen miteinander und h\u00f6ren aufmerksam zu.\" class=\"lazyload wp-image-9964\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Mit Studierenden in Budapest im Gespr\u00e4ch<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Ich versuchte Inhalte zu vermitteln, die es den Studierenden erm\u00f6glichten im europ\u00e4ischen Wissenschaftsdialog mitzudenken. In den Kollegien hielt ich mich zur\u00fcck. Gefragt war meine fachliche Kompetenz insbesondere bei der Umstrukturierung der Studieng\u00e4nge. Als Berater trat ich dort in Erscheinung, wo es einen tats\u00e4chlichen Bedarf gab. F\u00fcr eigene Entscheidungen zeigte ich Alternativen auf.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Forschungsperspektiven<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Geschichte der europ\u00e4ischen Heilp\u00e4dagogik ist bis heute nicht hinreichend erforscht. Vor allem die Motive der Tagungen k\u00f6nnten auf der Grundlage der Kongressberichte analysiert und f\u00fcr den Ost-West-Dialog bewusstgemacht werden. Diese prim\u00e4r ideengeschichtliche Forschung sollte einer Haltung entspringen, die von der Idee und Bereitschaft getragen ist Europa als \u201ekulturelle Lerngemeinschaft\u201c (Lepenies 2006) zu verstehen.<br>Bei der Er\u00f6rterung dieser Fragen ist darauf zu achten, dass gerade die westlich-rationale Denkweise sich nicht als universal g\u00fcltig sieht und ihre Ma\u00dfst\u00e4be und Weltsichten an der Kultur des jeweils anderen Landes pr\u00fcft. Dieser implizite Universalismus ist bei der eigenen Wirklichkeitskonstruktion zu hinterfragen und in eine Kultur des partnerschaftlichen Dialogs zu wandeln. &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<br>Alois B\u00fcrli<a id=\"_ftnref2\" href=\"#_ftn2\">[2]<\/a> bringt den Wandel auf den Punkt: \u201eDurch das sich Einlassen auf das\/den Andere(n) werden Denk- und Handlungsgewohnheiten hinterfragt und relativiert. Dadurch wird Internationale Heilp\u00e4dagogik zum Mittel gegen Dogmatismus, gegen Selbstbezogenheit und Selbstgen\u00fcgsamkeit, gegen die Arroganz, die eigenen Ideen und Praktiken zum allgemein g\u00fcltigen Modell zu erkl\u00e4ren. Dies alles stellt allerdings hohe Anforderungen an die pers\u00f6nliche Offenheit, Risikofreudigkeit und Tragf\u00e4higkeit\u201c (B\u00fcrli 2006, 12). <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zur Heilp\u00e4dagogik in der Slowakei &nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>An der Comenius-Universit\u00e4t Bratislava wird nach der sanften Revolution (1989) neben dem grundst\u00e4ndigen spezialp\u00e4dagogischen Lehramtsstudium auch ein eigenst\u00e4ndiges Studium der Heilp\u00e4dagogik wieder angeboten. &nbsp;Die Heilp\u00e4dagogik wurde \u201erehabilitiert\u201c und neu strukturiert.<br>Neu entstandene Aufgaben &#8211; wie Pr\u00e4vention, fr\u00fche Hilfe, F\u00f6rderung bei Lernschwierigkeiten, Suchttherapie und Seniorenarbeit &#8211; konnten in die Aus- und Weiterbildung integriert werden. Absolvent:innen k\u00f6nnen zum Dr. paed. promovieren und ein anschlie\u00dfendes Doktoranden-Studium machen (PhD.). Die Transformation des Studiums im Hinblick auf internationale Vergleichbarkeit der Abschl\u00fcsse ist inzwischen abgeschlossen. <br>Die Fort- und Weiterbildung der Mitarbeiter in Sonderschulen und Einrichtungen erfolgt in f\u00fcnf Methodisch-Didaktischen Zentren, die ihre Veranstaltungen auch dezentral anbieten. Au\u00dferdem kooperieren die Zentren mit ausl\u00e4ndischen Institutionen, vor allem bei EU-Projekten. In den Zentren k\u00f6nnen auch Qualifikationen f\u00fcr einen beruflichen Aufstieg erworben werden.<br>Die Heilp\u00e4dagog:innen konnten jahrelang keine berufsspezifische Weiterbildung erhalten. Der neu geschaffene Lehrstuhl f\u00fcr Heilp\u00e4dagogik pflegt Kontakte zu deutschen Kolleg:innen in der Praxis. Kontakte mit dem Ausland, besonders die Beratungsbesuche von Wolfgang van Gulijk und Doris Albert, beide seinerzeit in der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung des BHP t\u00e4tig, erm\u00f6glichten den Aufbau eines modernen Studienprogramms. &nbsp;Erste heilp\u00e4dagogische Publikationen wurden gedruckt (Hor\u0148\u00e1kov\u00e1 2015).<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Bildungspartnerschaft konkret&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/em><\/strong><br><br>Seit 2004 wird die Schulpartnerschaft zwischen dem \u201eF\u00f6rderzentrum f\u00fcr K\u00f6rperbehinderte Wichernhaus Altdorf\u201c (Tr\u00e4ger Rummelsberger Diakonie, Bayern) und dem staatlichen \u201eBerufsschulzentrum f\u00fcr K\u00f6rperbehinderte in \u017dilina\u201c (Slowakei) gepflegt. Ein erster H\u00f6hepunkt der Begegnungen war die offizielle Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde am 30. Juni 2006 in Rathaus von \u017dilina in Anwesenheit politischer Repr\u00e4sentanten und Pers\u00f6nlichkeiten des \u00f6ffentlichen Lebens. Die in deutscher und in slowakischer Sprache verfasst Partnerschaftsurkunde wurde von der Direktorin Daniele Durajov\u00e1 und dem Leiter der Altdorfer Einrichtung, Andreas Kasperowitsch, unterzeichnet. Das Dokument setzt sich folgende Ziele:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Verst\u00e4ndigung der Menschen untereinander im Allgemeinen, F\u00f6rderung von Kindern und Jugendlichen im Besonderen;<\/li>\n\n\n\n<li>Sprache, Brauchtum und Kultur den Kindern, Jugendlichen und Mitarbeitenden beider V\u00f6lker gegenseitig n\u00e4herbringen und insgesamt das Interesse f\u00fcreinander wecken;<\/li>\n\n\n\n<li>\u00dcber Grenzen hinweg Kinder und Jugendliche im Miteinander Gemeinschaft erleben lassen sowie Erfahrungen, Wissen und K\u00f6nnen unter Mitarbeitenden austauschen.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>An diesen heilp\u00e4dagogisch gestalteten Partnerschaften wird deutlich, dass der Austausch \u00fcber L\u00e4ndergrenzen hinweg und der Dialog zwischen Bildungseinrichtungen engagierte Menschen ben\u00f6tigt. Die Partnerschaft zeigt, wie die Beziehungen zwischen den V\u00f6lkern durch Menschen Gestalt annehmen und zu wirksamen Ver\u00e4nderungen auf beiden Seiten f\u00fchren k\u00f6nnen. Die italienische Reformp\u00e4dagogin Maria Montessori sagte einmal: \u201eKonflikte zu vermeiden ist Werk der Politik, den Frieden aufzubauen ist Werk der Erziehung\u201c. Auf diesen Spuren bewegen sich weitere von mir und meiner Frau Dr. Anna Klein-Kru\u0161inov\u00e1 initiierte Schulpartnerschaften zwischen Einrichtungen in Bayern und der Slowakei.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zur Heilp\u00e4dagogik in Ungarn<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die ungarische Heilp\u00e4dagogik versteht sich als traditionsbewusste wert- und wissenschaftsorientierte eigenst\u00e4ndige ganzheitliche Disziplin. Sie weist das reduktionistische Menschenbild in die Schranken. Ihre Fundamente sind die Humanit\u00e4tsidee und das vern\u00fcnftige Argument (Klein\/Z\u00e1szkalyczky 2009). Sie trotzt Ideologien, wendet sich gegen sozialutopisches und revolution\u00e4res Denken, verschleiert weder die Realit\u00e4t noch redet sie positivistischem Denken das Wort. Spannend an der ungarischen Sicht ist, dass die Heilp\u00e4dagogik nur bedingt als Teildisziplin der Erziehungswissenschaft verstanden wird. Als eigenst\u00e4ndige Disziplin ist sie eine herausfordernde Positionierung f\u00fcr die meisten Traditionslinien der Heilp\u00e4dagogik im deutschsprachigen Raum ist (Albrecht\/B\u00fcrli\/Erd\u00e9lyi 2006, 13).<br>Diese basale P\u00e4dagogik f\u00fcr Menschen mit besonderen p\u00e4dagogischen Bed\u00fcrfnissen und Bedarfen wendet sich gegen das Verrechnen des Menschen und seiner Erziehung mit Messlatte, Schnur und Winkelma\u00df. F\u00fcr sie kann, wie der Heilp\u00e4dagoge P\u00e9ter Z\u00e1szkaliczky betont, der Mensch nicht auf blo\u00dfe Kausalit\u00e4ten reduziert werden. In seiner Unverf\u00fcgbarkeit geht er in keinem System auf. Dieses Solidarit\u00e4tsethos hat sich in Ungarn aus der unmittelbaren gesellschaftlichen und geschichtlichen Erfahrung herausgebildet (Z\u00e1szkaliczky 2008).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die ausgew\u00e4hlten Themen zum Ost-West-Dialog im Feld der wissenschaftlichen und praktischen Heilp\u00e4dagogik legen nahe, dass wir auf dem Weg zum \u201egemeinsamen Haus Europa\u201c unser Wissen und K\u00f6nnen durch wechselseitige Lernprozesse mehren. Diese offene Haltung ist ma\u00dfgebend f\u00fcr das Forschen in Wissenschaft und Praxis und f\u00fcr das Bauen von Br\u00fccken zu einem Vereinten Europa in Freiheit und Gerechtigkeit. Danach sehnen sich viele Menschen. Sie streben durch ihre grenz\u00fcberschreitenden Aktivit\u00e4ten eine Europ\u00e4ische Identit\u00e4t an und wollen &#8211; fern gro\u00dfer Worte &#8211; \u201eEuropa eine Seele\u201c geben. Mein Beitrag auch.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Literatur<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Albrecht, F.\/B\u00fcrli, A.\/Erd\u00e9lyi, A. (Hrsg.) (2006): Internationale und vergleichende Heil- und Sonderp\u00e4dagogik. Klinkhardt, Bad Heilbrunn, 19-23<\/p>\n\n\n\n<p>Amrein, C.\/Z\u00e1szkaliczky, P. (1994): Die Sonderp\u00e4dagogik im Prozess der europ\u00e4ischen Integration. In: Vierteljahresschrift f\u00fcr Heilp\u00e4dagogik und ihre Nachbargebiete (VHN), 63. Jg., VHN-Sonderheft<\/p>\n\n\n\n<p>B\u00fcrli, A. (2006): Internationale Heilp\u00e4dagogik: Ja gerne \u2013 nein danke! In: Schweizerische Zeitschrift f\u00fcr Heilp\u00e4dagogik, 12. Jg., Heft 7\/8, 7-13<\/p>\n\n\n\n<p>Eco, U. (2000): Der immerw\u00e4hrende Faschismus. Vier moralische Schriften. Deutscher Taschenbuch Verlag, M\u00fcnchen, 37-69<\/p>\n\n\n\n<p>Hor\u0148\u00e1kov\u00e1, M. (2015): Pr\u00edbeh lie\u010debnej pedagogiky. Katholische.Universit\u00e4t, Ru\u017eomberok<\/p>\n\n\n\n<p>Klein, F. (2011): Heilp\u00e4dagogische Verantwortung f\u00fcr den Menschen mit Behinderung im Epochenumbruch. In: Seelenpflege in Heilp\u00e4dagogik und Sozialtherapie, 30. Jg., Heft 1\/2,18-27<\/p>\n\n\n\n<p>Klein, F. (2022): Mit Janusz Korczak die Heilp\u00e4dagogik gestalten. BHP, Berlin<\/p>\n\n\n\n<p>Klein, F.\/Z\u00e1szkaliczky, P. (2009): Entwicklung und Perspektiven der ungarischen Heilp\u00e4dagogik im europ\u00e4ischen Kontext. In: Zeitschrift f\u00fcr Heilp\u00e4dagogik, 60. Jg., Heft 1, 11-19<\/p>\n\n\n\n<p>Lepenies, W: (2006): Kultur und Politik. Deutsche Geschichten. Hanser, M\u00fcnchen\/Wien<\/p>\n\n\n\n<p>Popper, K. R. (1994): Alles Leben ist Probleml\u00f6sen. \u00dcber Erkenntnis, Geschichte und Politik. Piper, M\u00fcnchen\/Z\u00fcrich<\/p>\n\n\n\n<p>Z\u00e1szkaliczky, P. (2008): Heilp\u00e4dagogik im zusammenwachsenden Europa. In: Biewer, G.\/Luciak, M. \/Schwinge, M. (Hrsg.): Begegnung und Differenz. Menschen \u2013 L\u00e4nder \u2013 Kulturen. Klinkhardt, Bad Heilbrunn, 113-129<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><a id=\"_ftn1\" href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> Der komplette Text kann <a href=\"https:\/\/archiv-heilpaedagogik.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Als-Heilpaedagoge-im-Ost-West-Dialog_02.25.pdf\" title=\"\">hier<\/a> eingesehen und heruntergeladen werden.<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_ftn2\" href=\"#_ftnref2\">[2]<\/a> Er starb am 06. Oktober 2023 im Altern von 84 Jahren.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Autor<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-medium\"><img data-original=\"https:\/\/archiv-heilpaedagogik.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Prof.-em.-Dr.Dr_.-Ferdinand-Klein-201x300.png\" alt=\"\" class=\"lazyload wp-image-8809\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Ferdinand Klein, Prof. Dr. phil. Dr. paed. et Prof. h. c., Erziehungswissenschaftler im Fachgebiet Heilp\u00e4dagogik (Jg. 1934) arbeitete 20 Jahre als Erzieher, Heilp\u00e4dagoge und Logotherapeut, lehrte und forschte an sechs Universit\u00e4ten in Deutschland, Ungarn und der Slowakei im Geiste des polnischen Arztes und Reformp\u00e4dagogen Janusz Korczak.<\/p>\n\n\n\n<p><em>ferdi.klein2@gmail.com<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pers\u00f6nliche und berufliche Erfahrungen eines Karpatendeutschen[1] Als Heilp\u00e4dagoge, der am Ost-West-Dialog aktiv beteiligt ist, lege ich einen reflexiven Bericht vor. 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